Tacansina Miwatani -  Schamane aus dem Volk der Mandan
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Stationen des Hüttenaufbaus
(Juli 2005, Lackenhof am Ötscher, Niederösterreich)

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Der Weg zum inneren Frieden führt über den Respekt und die Achtung vor MUTTER ERDE und allen Lebewesen. So will es WAKAN TANKA, der Große Geist, der uns immer beschützt.

Inipi - die Hütte der Heiligen Steine

Die Schwitzhütte dient zur spirituellen Reinigung von Seele, Geist und Körper.

Diese uralte Reinigungszeremonie hat mit der heiligen Zahl 4 zu tun, weil sie die vier Himmelsrichtungen symbolisiert als Kreislauf des Lebens. Die Schwitzhütte ist die „Gebärmutter“ von Mutter Erde und wir sitzen darin als ihre Kinder, egal wie alt wir selbst sind.

Wir sind verbunden mit den vier Elementen:
Die Erde auf der wir sitzen
Das Wasser, das auf die glühend heißen Steine gegossen wird
Die heiße Luft, die uns zum Schwitzen bringt
D
as Feuer, das außerhalb der Hütte brennt

Wir sind verbunden mit den vier Völkern:
Mit den Steinvölkern, die uns der Feuermann / die Feuerfrau hineinbringt
M
it den Gaben der Pflanzenvölker, Weide oder Haselnuß, wird die Hütte gebaut
Mit Gaben der Tiervölker, den Wolldecken, wird die Hütte bedeckt
Mit unseren Brüder und Schwestern, den Menschenvölkern - gemeinsam reinigen wir uns

Wir sind verbunden mit den vier Himmelsrichtungen:
Norden - Sterben und Geboren werden. Osten - Neubeginn.
Süden - das Heranwachsen. Westen - die Ernte.

Die Schwitzhütte ist ein Ort zum Danken, zum Bitten, zum Geben und zum Nehmen.

 

Voraussetzungen:

Wir bitten jeden Teilnehmer, mindestens zwei (alte) Wolldecken mitzubringen, um die Hütte abzudecken, sowie zwei große Steine (20-30 cm Durchmesser). Wir bauen üblicherweise eine Schwitzhütte für ca. 20 Personen.
Wir benötigen Baumwollstoff (einfärbig blaue, rote, grüne und weiße Streifen bis ca. 30 cm) und etwas Tabak für die Tabakbeutelchen. Außerdem festes Schuhwerk und witterungsangepaßte Kleidung für draußen sowie ein großes Badetuch, Badekleidung oder Baumwollkleid (für die Schwitzhütte) und ein Handtuch zum Draufsetzen.

 

Die Inipi-Zeremonie beginnt mit dem Aufbau der Schwitzhütte:

Schwitzhütte
Die Hütte hat einen Durchmesser von ca. 2 bis 3,5 Metern und ist ca. 1,2 - 1,5 Meter hoch. Der Eingang liegt im Westen. Das Hütten-Gerüst besteht aus Haselnuß- oder Weidenholz. Es wird mit Wolldecken lichtdicht abgedeckt, denn in der Schwitzhütte muß es vollständig dunkel sein.

Feuerstelle
Die Feuerstelle liegt etwa 5 Meter vom Hütteneingang entfernt. Feuerstelle und Hütteneingang bilden eine Linie.

Skizze

Altar
Der Altar befindet sich zwischen Hütte und Feuerstelle. Der Abstand vom Altar zum Hütteneingang beträgt ca. 2 Meter. Der Altar besteht aus einem großen Stein und der Erde aus dem Steinloch im Zentrum der Schwitzhütte, umlegt mit verschiedenen Mineralien. Vor dem Altar befindet sich das Pfeifengestell (zwei Astgabeln mit Querholz), dahinter steht das Holzgestell für Medizin-Beutel, Ketten, Anhänger, Talismane usw. Bei Bedarf wird am Altar ein Bisonschädel mit Hörnern platziert.

Steine
Es werden 28 bzw. 36 kopfgroße Steine benötigt. Die Steine sollten hitzebeständig und trocken sein (nicht direkt aus dem Bach verwenden: Splittergefahr!), ideal sind Basalt, Granit und Sandstein.

Holz
Zum Anzünden wird etwas trockenes Reisig und dünnes Holz benötigt. Für das Zeremoniefeuer werden ca. 30 bis 40 Holzstücke, mit 10 bis 25 cm Querschnitt und ca. 0,8 bis 1 Meter Länge (ca. 1m3) benötigt. Sieben Holzstücke liegen längs auf dem Boden. Darauf werden sieben Holzstücke quer gelegt. Auf dieser Holzlage werden die Steine pyramidenförmig aufgelegt. Das restliche Holz wird schräg dagegen gestellt.

 

Das Schwitzhütten-Ritual

Feuer
Das Feuer ist heilig! Sobald das Feuer brennt, darf nichts mehr hinein geworfen werden (Zigarettenstummel, Taschentücher usw.)! Es wird vom Feuermann bzw. von der Feuerfrau gepflegt und bewacht. Die Feuerstelle darf nur noch von Feuermann/frau, Schamanen bzw. Schwitzhüttenführer/in betreten werden.
Nun zieht der Schamane / Schwitzhüttenführer/in eine Salbei-Linie vom Hütteneingang zum Feuer. Die Linie Feuer – Altar – Schwitzhütte darf nur von Feuerfrau/mann bzw. Schamanen gekreuzt werden. Die Schwitzhüttenteilnehmer dürfen diese Linie auf keinen Fall überschreiten. Ein Nichtbeachten dieser Regeln kann zur Folge haben, daß die spirituelle Energie zusammenbricht.

Bis die Steine heiß sind (ca. 2 Stunden) arbeiten wir intensiv an uns, im Vertrauen, aus dem die Qualitäten der Weisheit erwachsen wie Klarheit, Objektivität und Loslassen. Wir sprechen über die Wandlungen in unserem Leben, unser Verhalten in Grenzsituationen und Rituale, die uns helfen, mit Verlusten fertig zu werden. Für besondere Anliegen können Tabakbeutelchen geknüpft werden, in die unsere Wünsche und Gebete gelegt werden.

Smudging-Zeremonie
Zuerst betritt der Schamane die Hütte und reinigt diese mit Salbei-Rauch. Bevor die Hütte von den Teilnehmern betreten wird, ist eine persönliche Salbei-Rauch-Reinigung notwendig, die Räucherung wird von Schamanen/Schwitzhüttennführer/in oder von Feuermann/frau durchgeführt. Danach darf die Hütte in der Sonnenlaufrichtung betreten werden. Der Schamane oder Schwitzhüttenführer/in geht zum Schluß hinein.

Schwitzhütten-Ritual
Nachdem alle ihren Platz eingenommen haben, stopft der Schamane die Chanupa (die heilige Pfeife). Beim Einbringen der glühenden Steine berührt der Schamane mit dem Pfeifenstiel die ersten sieben Steine. Nach jeder Berührung wird die Pfeife einmal nach dem Sonnenlauf gedreht. Während dieser Zeit sollte nichts gesprochen werden. Nachdem die Steine in der Hütte sind, reicht der Feuermann oder Feuerfrau einen Eimer Wasser in die Hütte. Das Wasser wird kurz über die glühenden Steine gehalten und dann vor den Steinen abgestellt. Danach wird die Schwitzhütte lichtdicht geschlossen und Wasser auf die Steine gegossen.

1. Runde
Der Schamane bzw. Schwitzhüttenführer/in beginnt mit einem Dankgebet, ruft die Spirits und lädt die Ahnen ein. Danach wird gemeinsam gesungen und/oder getrommelt.

2. Runde
Jeder betet laut und deutlich (damit alle Anwesenden ihre Energie dazulegen können) und bringt seine persönlichen Anliegen vor Wakan Tanka (den Großen Geist, Gott bzw. die für ihn gültige Göttliche Instanz).

3. Runde
Jeder betet für allgemeine Probleme, für die Angehörigen, für andere Menschen usw. (ähnlich wie in der zweiten Runde)

4. Runde
Gemeinsamer Gesang und Dankgebet vom Schamanen bzw. Hüttenführer/in. Ist ein Pfeifenträger mit anwesend, wird am Schluß jedem in der Hütte die Heilige Pfeife gereicht. Danach wird die Schwitzhütte in der Sonnenlaufrichtung verlassen.

5. Runde
Diese Runde ist für die Ahnen und Spirits. Diese Runde wird nur vom Schamanen gemacht, außer ihm darf niemand in der Hütte sein. Die Schwitzhütte darf danach mind. drei Stunden nicht geöffnet bzw. betreten werden!

Bemerkungen:
Beim Betreten der Schwitzhütte werden die Tabak-Beutelchen an der Decke angebracht.

Nach jeder Runde wird der Eingang geöffnet. Von Feuermann/frau werden neue heiße Steine vom Feuer gebracht. Für Durstige gibt es Wasser.

Die betende Person bekommt vor Beginn des Gebets einen Redestab (z.B. Stab, Feder, Federfächer o.ä.) in die Hand. Dieser bleibt bis zum Ende des Gebets bei dieser Person und wird danach im Uhrzeigersinn weitergereicht. Es gibt keine festgesetzte Gebetsform. Jeder betet so, wie er es will und für gut empfindet. Wichtig ist, daß das Gebet aus der Seele kommt!
Während den Gebeten der dritten Runde geht ein Heilstein von einem zum andern. Jeder kann ihn an die Körperstelle halten, wo Beschwerden vorhanden sind.

Wird die Hütte verlassen, so immer im Uhrzeigersinn – geschieht dies aus irgendeinem dringenden Grund während des Rituals (1. bis 4. Runde), darf sie nicht wieder betreten werden (Energieabbruch). Während eines Gebetes sollte die Hütte grundsätzlich nicht verlassen werden!

Nach der Schwitzhütte wird kalt gebadet oder geduscht.

Die Dauer der Zeremonie in der Schwitzhütte beträgt normalerweise drei bis vier Stunden. Der Feuermann/frau achtet auch darauf, dass die Zeremonie nicht gestört wird.

Achtung: Bei folgende Symptomen erfordert die Teilnahme an der Inipi-Zeremonie eine vorherige Absprache mit dem Schwitzhüttenführer: akute, fieberhafte Erkrankungen; nicht auskurierte Herz- und Kreislauferkrankungen; Entzündungen, vor allem an Haut, inneren Organen und Blutgefäßen; nicht ausgeheilte Lungentuberkulose; Epilepsie.

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